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23.04.2019

Interview 100 Jahre AfB: „Motor von guter Bildungspolitik in der SPD“

Vor 100 Jahren wurde die „Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen“ gegründet. Heute ist die Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB) eine der größten AGn der SPD. Im Interview sagt der Vorsitzende Ulf Daude, warum Bildung für die Partei so wichtig ist – und Ländersache bleiben sollte.

Am 21. April 1919 wurde die „Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen“ gegründet, die Vorgänger-Organisation der heutigen Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB) in der SPD. Ist die AfB trotz des veränderten Namens eine AG für Lehrerinnen und Lehrer?

Nein, auf gar keinen Fall. Die schulische Bildung ist heute, 100 Jahre nach der Gründung der AfB, nur ein Schwerpunkt unserer Arbeit, obwohl wir sehr viele Mitglieder haben, die sich in diesem Bereich auskennen. Wer bei uns mitarbeiten möchte, muss sich nicht beruflich mit dem Thema Bildung beschäftigen. Bei uns sind auch viele engagierte Eltern und junge Leute in der Ausbildung. Bei uns engagiert sich der Erzieher genauso wie die Uni-Dozentin. So ist die ganze Bandbreite von der Kita bis zur Hochschule abgedeckt. Die AfB ist mit 58.000 Mitgliedern übrigens eigentlich die größte Arbeitsgemeinschaft der SPD. Jede Genossinen und jeder Genosse, der mal zur Schule gegangen ist, hat ja etwas mit Bildung - einem der Kernthemen der SPD - zu tun.

Die SPD ist aus den Arbeitersport- und den Arbeiterbildungsvereinen entstanden. Welchen Stellenwert hat das Thema Bildung heute in der Partei?

Als ich in die SPD eingetreten bin, musste ich mir immer wieder anhören, mit Bildungspolitik könne man höchstens eine Wahl verlieren. Seit dem Pisa-Schock im Jahr 2000 hat die Debatte über Bildungsfragen in der SPD wieder deutlich an Schwung gewonnen. Mit einem klaren Bekenntnis zu einem modernen Schulsystem und längerem gemeinsamen Lernen kann man heute sogar Wahlen gewinnen. Dank Martin Schulz war Bildung auch ein wichtiges Thema im letzten Bundestagswahlkampf, in dem er sogar eine „Bildungsrevolution“ gefordert hat. Und in vielen Punkten – wie etwa bei der Aufhebung des Kooperationsverbots – hat sich die SPD im Laufe der Zeit auch durchgesetzt. Die AfB hat maßgeblich an der Vor- und Aufbereitung mitgearbeitet und die Basis der SPD im Bildungsbereich organisiert und einbezogen. Das werden wir auch weiterhin als unsere Kernaufgabe betreiben – es gibt ja noch viel zu tun. Und damit werden wir das Profil der SPD als Bildungspartei erhalten und ausbauen.

Bildung ist in erster Linie Sache der Bundesländer. Wie geht die Bundes-AfB damit um?

Wir wollen das Bildungssystem in Deutschland weiterentwickeln und versuchen in unsere Arbeit immer die regionalen Gegebenheiten und Besonderheit mit einfließen zu lassen. Dabei profitieren wir natürlich sehr von den unterschiedlichen Erfahrungen unserer Mitglieder vor Ort. Je breiter wir uns da über die Gründung von Kreisverbänden aufstellen können, desto besser. Genauso klar ist für uns aber, dass wir eine gemeinsame Rahmenplanung aller 16 Länder brauchen. Qualitätsstandards müssen für alle gleich sein. Vor Ort muss dann die regionale Anpassung erfolgen. Ich halte den Bildungsföderalismus für eine gute Sache, weil die Politik so am besten auf länderspezifische Anforderungen reagieren kann. Mir fehlt allerdings manchmal die Möglichkeit, Entscheidungen in der Bildungspolitik per Mehrheitsbeschluss treffen zu können. Wenn ein Land ausschert, gibt es leider viel zu oft Stillstand.

Sie waren selbst lange Lehrer, bevor Sie in die Schulverwaltung gewechselt sind. Hilft das bei der Arbeit für die AfB?

Ja, auf jeden Fall. Über meine Arbeit bin ich stark im Bildungssystem verwurzelt und kann auch anderen, die sich mit dem Thema Bildung beschäftigen, ganz anders gegenübertreten. Ich habe z.B. während meiner Arbeit an der Schule Inklusion praktisch umgesetzt. Dadurch kenne ich die Vorteile, aber auch noch bestehende Grenzen und Herausforderungen. Wenn ich dann mit Menschen über die politische Dimension der Inklusion spreche, hat das ein ganz anderes Fundament. Dieser Bezug zur Praxis zeichnet übrigens die gesamte AfB aus. Wir sind Fachleute aus ganz unterschiedlichen Bereichen. So können wir politische Ziele der Sozialdemokratie direkt mit der Praxis verbinden und dafür fundierte Konzepte und Strategien zur Umsetzung gemeinsam mit den Beteiligten entwickeln. Damit steht die Bildungspolitik der SPD nicht irgendwo im Raum und ist auch keine reine Ideologie. Sie hat Hand und Fuß und ist die Gestalterin und der Motor einer zukunftsfähigen Bildungspolitik für die Menschen und für unser Land.

Was hat die AfB in der nächsten Zeit vor?

Unter dem Motto „Mehr Bildung wagen!“ haben wir bereits mit der AfB-Bundeskonferenz 2018 den Aufbruch gestartet. Die (Bildungs-) Welt, ebenso wie unsere Gesellschaft und die Arbeit ändern sich immer schneller und wir stehen in der Bildungspolitik und -praxis vor der großen Aufgabe, unsere Kinder und Jugendlichen, genauso wie die Menschen im Arbeitsleben oder im Alter, auf eine Zukunft vorzubereiten, die wir höchstens erahnen können. Gute Bildung in Kompetenzen, Schlüsselqualifikationen und Vernetzung zu denken, ist der Weg. Damit sie gut für alle wird, müssen wir die Wurzeln der SPD mit den Herausforderungen der Zukunft verbinden, z.B. ist Bildung mit digitalen Medien nur gut, wenn alle den gleichen Zugang und die gleichen Möglichkeiten haben. Dabei stehen die Menschen - in jedem Alter - im Mittelpunkt und niemand darf zurückgelassen werden. Das war und ist die Umsetzung vonChancengleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Teilhabe. Und dies muss die Aufgabe der SPD bleiben. Mit diesem Profil können wir Wahlen gewinnen, besonders durch den Bildungsbereich. Die Arbeitsgemeinschaft für Bildung wird die SPD gerne dabei unterstützen, möchte alle Genossinnen und Genossen im Bildungsbereich und den Gremien - ehren- wie hauptamtlich - sowie die SPD mit den Stakeholdern vernetzen und damit weiterhin der Motor von guter Bildungspolitik sein.